
wer heute abend nichts vor hat geht am besten in die kaserne. dort spielen heute oceansize und diese jungs machen musik, die ihrem namen gĂ€nzlich gerecht wird: mit gitarren, und so. wer also zu viel “elektronische kĂŒnste” oder “digitale kultur” (migros kulturprozent) abbekommen hat, der darf sich dieses konzert gerne gönnen.
allerdings gibt es ein problem: die kaserne wurde umgebaut. das ist ja prinzpiell nicht schlimm; wer aber schon drin war weiss was ich meine. dazu mehr morgen (ich muss grad gehen). in der zwischenzeit: have fun.

die zweite reine dubstep-night in basel, und siehe da, es hat gerockt.
die leute kamen spĂ€t und nicht in massen, aber mit ca. 150 headz waren es genug und vorallem die richtigen. diese seltsame mischung, die es bei neuen stilarten gibt, die zwar gut ankommen, sich aber noch nicht etabliert haben: ein paar extra angereiste, schon frĂŒh stimmung machende freaks, dieselben, immer bei so “szene”-geburten anwesenden altraver-(innen) aus planet-e zeiten, die local freaks die das ganze aufziehen und veranstalten, deren anhang, und ein paar ĂŒberraschte stammkunden die einfach mal kucken kommen und dann da bleiben.
n-type ĂŒbernahm um 02:00 und bewies sofort warum er als einer der botschafter von dubstep gilt. eine derartige bedingungslose freude habe ich von einem englĂ€nder lange nicht mehr erlebt. er prĂ€sentierte die ganze bandbreite des aktuellen sounds, von schweren basslastigen halfstep-tracks, ĂŒber reggae-riddims und obskuren remixes von rockbands (ein klaxons-remix blieb mir in erinnerung) bis zu regelrechten technobrettern mit 4/4 kickdrum und detroit-feeling. wenn sich dubstep weiter so offen entwickelt, wird es zum neuen spielfeld gelangweilter nicht-puristen aus allen stilrichtungen.
wermutstropfen war die blecherne akustik des n*, die trotz zusÀtzlicher bassbin irgendwann alles zu einem schmerzenden brei werden liess. so muss man eben den eigentlich nötigen druck einem einigermassen aushaltbaren klangbild opfern. sind wir inzwischen ja alle gewohnt..
auf jeden fall massiven respekt an guyus, der das ganze ins leben gerufen hat und mit euphorie und tatendrang dahinter steht. viele alte hasen hĂ€tten sich trotz begeisterung fĂŒr den sound nie so eingesetzt, dabei sind alle sehr froh um den frischen wind im basler nachtleben.

frei nach dĂŒrkheim, die bisher gefĂŒhrte diskussion um geldverprasserei, zuwenig sex, zu falsche drogen, zu viele schals, bushido’s brust, scheissende katzen, mĂŒrbe- oder sauerteig ignorierend, hier ein subjektiver eindruck des shift festivals vom samstag abend.
war erst mal ĂŒberrascht von der grösse des konzert-zeltes, welches als solches erst dann zu erkennen war, wenn man sich trunken an die wand lehnen wollte und diese klugerweise nachgab. Weder von aussen noch von innen kam auch nur im entferntesten so etwas wie zeltstimmung auf, man fĂŒhlte sich wie in einem konzertsaal von der grösse des rossstalls, einfach sehr viel höher. dass alles schwarz war, hat diesen eindruck massgeblich geprĂ€gt. black is the new black.
ĂŒber dem haupteingang war das laser-tag system vom graffitti research lab aufgebaut, und es wurde die ganze nacht munter auf die riesige, gegenĂŒberliegende fabrikhallenwand gebombt. War nicht ganz sicher ob irgendwann auch mal âopen decksâ angesagt waren, jedenfalls habe ich vergeblich darauf gewartet auch mal von einem riesigen penis, der unreflektierten verteufelung einer beliebigen institution oder irgendwelchen sich mir erst beim zweiten blick erschliessenden nerd-sauereien angeleuchtet zu werden. style war wohl prĂ€misse und kreative freiheit jenseits von tag-symbolik wurde entweder passiv unterdrĂŒckt oder es ist der unwahrscheinliche fall eingetreten, dass junge mĂ€nner bei der möglichkeit eine 30m X 30m grosse, nur kurz zu sehende botschaft zu kreieren, NICHT an schwĂ€nze und/oder âfuck irgendwasâ gedacht haben. Vielleicht hab ichâs auch einfach verpasst. dâoh.
sehr ĂŒberzeugt hat mich das vorzĂŒgliche kantinen-essen, sei es kaninchen an rotwein-sosse oder ein simples schinken-sandwich. es gibt halt zeiten, da nimmt man solche gutbĂŒrgerlichen angebote gerne war.
auch die mitarbeiter schienen mit freude bei der sache zu sein, trotz zeitweiliger ĂŒberfĂŒllung und stilgerechter verqualmung des restaurants.
aus zeitgrĂŒnden habe ich mich mit den ausstellungen nicht allzu intensiv befasst, fand aber die telefonkabinen-anrufstation und das lĂ€rmlabor, in welchem man einen simplen noise-generator basteln konnte, ziemlich cool. beide wurden auch rege genutzt. nĂ€chstes mal nutze ich meinen vip-pass und hör mir diverse panels und diskussionen an.
kommen wir zum, in den meisten fĂ€llen durchaus auch musikalischen, rahmenprogramm. von glitch electronica (stuchka vkarmanye aus jerusalem, dessen name ich dreimal falsch und, vodka sei dank, mich peinlich verhaspelnd ĂŒber den Ă€ther gesandt habe), ĂŒber treibendes minimal-gestampfe (die krankenpfleger), zu elegischem ambient techno (monzur, sehr schön), seltsamem âdiverse-prozessoren-auf ketamin-haben-intensiven-slow-sexâ-gebrumme (irgendeine der audiovisuellen experimental-performances im konzertsaal, die beim zukucken sicherlich sinn machen) bis zu visuell verarbeiteten hiphop-, breakbeat-, funk- und jungle-mashups (coldcut, who else), bouncendem minimaltechno hoher qualitĂ€t (sutekh) und schliesslich standesgemĂ€ssem clubrave aktueller prĂ€gung (jennifer cardini), wurde alles geboten.
coldcut spielten, scratchten und visualisierten ihre erwarteten hits zwischen alt (paid in full rmx, samt ofra haza in der wĂŒste) und neu (walk a mile in my shoes, samt robert owens in pathetischer pose), angetrieben von einem MC mit ?uestlove-frisur. gegen schluss rumpelten auch noch dicke drumandbass-beats marke pendulum durch den raum und die masse tobte. die soundanlage vermochte die wucht der dichten, zt teil organisiert chaotischen klangcollagen leider nur bis etwa in die hĂ€lfte des raums tragen, aber dank lĂ€rmschutverordnung und polizei-besuch bereits am donnerstag, konnten die veranstalter wohl wenig dafĂŒr.
coldcut-mastermind matt black war jedenfalls restlos begeistert, da er eigentlich eher ein zurĂŒckhaltendes, vorwiegend mĂ€nnliches nano-frickler-glitchcore-pizza-pickel-publikum erwartet hatte, welches masturbierend koreanische programm-codes und israelische hacker-ideologie austauschen wĂŒrde. die sich in ausgeglichenem gender-verhĂ€ltnis eingefundene meute, die zu âjump aroundâ die glĂ€ser von der bar runterrumpelte, hat ihn und den rest der crew sichtlich erfreut.
im vorhergehenden interview zeigte er sich sehr gesprĂ€chig und erlĂ€uterte die coldcut-ideologie von kĂŒnstlerischer demokratisierung durch erschwingbare studiotechnik, bis zur jetzigen und zukĂŒnftigen verantwortung der kunst, globale themen anzusprechen und zu vermitteln. Ein Ă€usserst eloquenter kauz mit bart, brille und inka-schal, ein bisschen wie man sich john lennon um die 50 vorstellen mag, ohne yoko, aber mit einem laptop. er schlich den rest der nacht ĂŒberall herum, kuckte sich zwischen wilden verschandelungs-attacken des backstage-raums alles an und hatte sichtlich spass an der ganzen sache.
s-biene schaffte anschliessend das kunststĂŒck, den wilden pogo-vibe von coldcut zu dĂ€mpfen und das publikum mit melodiösem, teibend-sanftem minimal-techno zu halten und in eine fliessende club-stimmung zu bringen. Das beste set, das ich von der lady bisher gehört habe.
suthek hĂŒpfte nachher hinter seinem laptop hin und her und verdeutlichte wieder mal die unsexyheit eines solo laptop-live-acts, es sei denn, man heisst reinhard voigt. super sound, aber so eine âich und mein notebookâ-performance wirkt auf einer bĂŒhne einfach verloren, wenn man nicht die persönlichkeit hat, das ganze mit einer unpeinlichen und trotzdem auffallenden show zu untermalen.
jennifer cardini hatte derweil ihr serato-system installiert und verbrachte die erste halbe stunde ihres sets damit, sich ĂŒber springende tonsysteme und den ungefederten aufbau des dj-pults auf der bĂŒhne zu beschweren. einerseits un peu divenhaft, andererseits ists schon etwas Ă€rgerlich wenn bei so einem riesenanlass genau die kleinen aber folgenschweren dinge nicht klappen. trotz den dadurch etwas gestrafften und zt halt in die hose gehenden ĂŒbergĂ€ngen, hat sie voll ĂŒberzeugt und ist ihrem ruf, bekannten platten durch ihre selection eine spezielle note zu geben, gerecht geworden. sie pendelte gekonnt zwischen oldskool-perlen, minus-stampfern und elegantem minimalhouse und hatte mit zunehmendem verlauf auch mehr und mehr spass..
höhepunkt des abends war eindeutig das publikum. gerade bei jennifer cardiniâs clubsound wurde deutlich, wie angenehm es ist, mal nicht das ĂŒbliche partyvolk, sondern halbwegs lebendige, gut gelaunte leute um sich zu haben, die zwar auch heftig feierten, aber den anschein machten, als hĂ€tten sie wĂ€hrend der letzten jahre auch mal das eine oder andere wochende ohne kater verbracht.
aus meiner sicht e
in erfolgreicher start fĂŒr eine neue festivalreihe, die mit ihrem diesjĂ€hrigen motto âaccessâ auf jeden fall einmal dies erreicht hat: nicht-nerds bekamen einen einblick in innovative experimentalfelder und nerds bekamen zugang zu jener welt in der ihre geschaffenen werke zwar anwendung finden, die sie selbst aber oft meiden: dem dancefloor, der bĂŒhne und der öffentlichen meinung. soweit jedenfalls eine persönliche, unreflektiert geĂ€usserte re-interpretation des mottos.
inwiefern jetzt neue, fĂŒr die moderne welt gĂŒltige und anwendbare âaccessâ-portale und möglichkeiten vorgestellt und diskutiert wurden, kann ich schlecht beurteilen, da ich leider zuwenig von der shift gesehen und gehört habe. wobei natĂŒrlich gerade dies die prĂ€genden aspekte der shift sind, und nicht das aus intellektueller sicht vergleichweise banale abfeiern zu lauter musik mit rhythmusvorgabe. asche auf mein haupt fĂŒr den in diesem sinne unvollstĂ€ndigen bericht.
die neugier auf die nÀchste ausgabe der shift ist bei mir jedenfalls geweckt.

heute startet auf dem dreispitz areal das shift festival fĂŒr elektronische kĂŒnste. vorbeischauen lohnt sich sicher. heute ist der eintritt frei. neben scrrenings, performances, diskussionen, workshops, einem kurzfilm wettbewerb und einem marktplatz, können sich vorallem die konzerte sehen lassen.
fĂŒr die einzelveranstaltungen betrĂ€gt der eintritt lediglich 15.- . d.h. man kann sich einen ganzen abend lang konzerte und djs reinziehen.
gespannt kann man vorallem auf dopplereffekt sein, die seit etlichen jahren kein gemeinsames konzert mehr gaben.
SHIFT HOMEPAGE
Shift_2007_Programm.pdf
Shift_2007_timetable.pdf
HEADPHONE CONCERTS

die meinungen gehen auseinander. digitales mixen vs. good old vinyl. die diskussion ist schon 1000109021 mal gefĂŒhrt worden. was ist besser, was ist realer und ĂŒberhaupt. ich sage ăăă«ăĄăŻ :
die fruity loops macher bringen mit deckadance (nur windows) jedenfalls viel spass in die digitale mixwelt. es unterstĂŒtzt VST effekte, hat eine sehr unterhaltsahme loop funktion, mit der sich aus den einzelteilen neue beats bauen lassen und unterstĂŒtzt alle timecode platten. d.h. es ist nicht mehr nötig ein spezielles audiointerface zu verwenden. ausserdem kann deckadance selbst als VSTi verwendet werden. die funktionen sind jedoch noch sehr eingeschrĂ€nkt und ohne ASIO treiber lĂ€uft nix. aber ist ja noch jung.
helau.