THE PORRIDGE
ein neues prodigy-album ist also da. ich hab ich mich bisher mit keiner gelesenen rezension anfreunden können. die einen bejubeln ein “return to form” weil keeeef wieder schreien darf, die anderen monieren fehlenden zeitgeist, bzw. wie man es als elektronik-act nur wagen könne, im 09 ein album ohne dubstep-einflĂĽsse zu veröffentlichen.
dazu kommen diverse dämliche kommentare aus interviews mit den verbliebenen drei kerlen a la “wir haben diesen sound erfunden” usw.
nachdem mir eine erste rezension auf dem lahmen arbeits-pc abgekackt ist, verliess mich die motivation, aber irgendwie fĂĽhle ich mich als fan doch ein bisschen verpflichtet meinen senf dazu zu geben. also danke fĂĽr den anstoss b k : )
the prodigy begleiten mich seit nunmehr 1993. raketenthom entdeckte damals auf mtv diesen abartigen breakbeat-track mit einem reggae-teil drin. wenig später hielten wir im roxy die “out of space”-single in den händen, begeisterten uns vorallem fĂĽr den ominösen “techno underworld mix” von out of space mit der killerfläche in der mitte, ich bekam zu weihnachten “”experience” und am 29 januar 1994 gingen wir in die rote fabrik ans, glaube ich, zweite prodigy-konzert in der schweiz. der abend war eine premiere in mehrfacher hinsicht: erstes mal red bull (aus ungarn importiert, war noch illegal und wir fĂĽhlten uns verdammt hart) , erstes mal UK-breakbeats in der schweiz und erstes mal “no good” gehört. dass maxim den kickdrum-wirbel im zweiten drop einen halben meter vor uns auf den bĂĽhnenboden hämmerte hat mich nachhaltig geprägt.
dann kam “music for the jilted” und hat mich von beginn an weggehauen, vorallem wegen seiner vielseitigkeit. von rave ĂĽber gitarrenrock bis zu chillout war alles drauf und erst noch in einer bisher ungehörten selbstverständlichkeit zu etwas stimmigem vermengt. bisher fand ich so experimente eher peinlich, RATM und nirvana super, techno und jungle super, aber zusammen, nee.
“fat of the land” hab ich erst mal ignoriert, weil mir firestarter auf den sack ging und ich die punk-anleihen scheisse fand. 1997 war ich mit raketenthom in ibiza und jeremy healy (ein ĂĽbler UK ballermann-raver, mittlerweile wohl im kloster oder in der klapsmĂĽhle) hat im es paradis als zweitletzte platte smack my bitch up in den sonnenaufgang reingedropt. heavy shit.
dann kam lange nix, ausser berichte ĂĽber liam howletts familiengrĂĽndung mit einem all-saints mitglied und seine kumpelschaft mit noel gallagher.
dann “always outnumbered..” . ich erwartete gleichzeitig viel und doch nichts, befĂĽrchtete schlimmes. bekam dann doch einige coole tracks (“spitfire” zB) und fand das album als technischen und stilistischen befreiungsschlag völlig ok. dass keith und maxim nicht rumbrĂĽllten fand ich eher angenehm, back to the roots eben. dass keith via “firestarter” 1996 zu einer art frontmann avanciert war, entsprang ja auch eher einer spontanen rohypnol-laune als einer gezielten ausarbeitung von vorhandenem talent.
the prodigy ist nun mal seit bald 20 jahren in erster linie liam howlett und insofern war “always outnumbered..” tatsächlich die rĂĽckkehr zu den wurzeln. einer produziert, die anderen heizen an.
klar hat es die ganze “fat of the land”-fangemeinde enttäuscht, dass ihr identifikations-punk keith auf dem nachfolgealbum fehlte. aber es klang alles zu 100% wie the prodigy und mir hat das gereicht. genau das hat die truppe nämlich immer ausgemacht; je nach standpunkt kamen ihnen die chemical brothers oder auch underworld nahe, aber wenn, dann immer mit genug spielraum.
soviel zur persönlichen bedeutung von prodigy.
tja, und nun “invaders must die”.
es hat einige gute momente:
“warriors dance” ist ein veritabler “no good”-nachfolger, der mittelteil von “worlds on fire” kickt wie seit “experience” nicht mehr und “omen reprise” lässt ihre erhabeneren momente aufleben.
aber vieles klingt, als versuche man, einem bestimmten standard von “festival-elektro 09″ gerecht zu werden. wenn ikonen ihre erben zitieren, wird es selten gut.
“omen” und das titelstĂĽck bedienen sich bei ausgelutschten schranz-sounds aus nubreaks- oder drumandbass-gefilden der letzten vier jahre, ohne ein gramm originalität hinzuzufĂĽgen. subfocus, adam freeland oder pendulum haben das alles schon zuhauf gemacht.  von “thunder” ĂĽberzeugt grad mal das nachgesungene sample, einfach weils so dämlich simpel und eingängig ist.  sobald die drums einsetzen ist da nur noch brachiale ödnis. und wenn sich irgendwo mal stimmung aufbaut (“take me to the hospital”) wird sie durch beschissene vocals zunichte gemacht. gegen die hochgepitchten mini-raps hab ich gar nichts, aber dieses möchtegern-toughe geshoute ist nur doof. “stand up” ist fĂĽr sich alleine ganz nett, aber wenn herr howlett einen weggeworfenen fat boy slim-beat als closing track nötig hat, kann es mit seinen ideen nicht weit her sein.
“always outnumbered..” war auf eine vulgäre bigmac-art noch irgendwie geil. keine tiefe, aber viel fett. die ansammlung von rein funktionalen bĂĽhnenhits auf “invaders must die” ist nicht mal vulgär oder fett, sondern stellenweise nur leer.
the prodigy müssen mir schon lange nichts mehr beweisen, ich bin dankbar für ihre pure existenz. die 3 1/2 guten neuen songs werde ich in vollen zügen geniessen und vielleicht gibts auf den 4 bonustracks der deluxe-edition noch was zu finden. insgesamt beschleicht mich aber ein bisschen dasselbe gefühl wie bei drumandbass: eine zeitlang verlieh das veröffentlichte material eine verheissung von vielseitigkeit, eleganz und innovation. in wirklichkeit verdeckte das alles aber lediglich die dumpfbackigkeit der leute dahinter. und je mehr man die musik von ihren herstellern trennen muss, desto zynischer wird man ihr gegenüber.  irgendwann hat man zwar den bogen mehrheitlich raus und schert sich nicht mehr um die dämlichkeit irgendwelcher yardies, die trotzdem den deepsten shit machen. andernfalls hätten dancehall, hiphop und jungle nie eine chance gehabt.
aber ein bisschen weh tuts halt trotzdem.
tomh
Mittwoch, 25. Februar 2009, 15:32 Uhr
always a pleasure noq. mrci!
nvo
Mittwoch, 25. Februar 2009, 16:51 Uhr
auf den punkt gebracht, niq!
air
Mittwoch, 25. Februar 2009, 18:06 Uhr
noq, geile siech.
b k
Donnerstag, 26. Februar 2009, 9:52 Uhr
meine rede =) THX noq!
b k
Donnerstag, 26. Februar 2009, 10:38 Uhr
… auch was das thema d’n'b angeht, so btw…
aber das ist eine andere geschichte ;)
kenny (g) mĂĽller
Donnerstag, 26. Februar 2009, 16:15 Uhr
also ich finds geil
b k
Freitag, 6. März 2009, 8:39 Uhr
he he he
siehe bericht in de:bug
b k
Dienstag, 10. März 2009, 13:54 Uhr
war noch jemand gestern am konzert? wie habt ihrs gefunden?
ich wĂĽrde sagen es war eigentlich wie immer, prodigy live halt ;-)
luci
Dienstag, 10. März 2009, 14:30 Uhr
sehr schön gesagt!
senf
Donnerstag, 12. März 2009, 15:52 Uhr
“stand up” ist weltklasse! und geld wird ja eh nur mit dem touren verdient.
senf




Kommentare