Contra Segnitiam

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Eine kleine Rede, die ich verfasst habe aufgrund diverser aufschlussreicher Gespräche und Vorkommnisse in letzter Zeit und auch wegen der psychotherapeutischen Wirkung des Schreibens an sich. Vielleicht ergibt sich ja eines Tages die Möglichkeit, diese Worte irgendeiner Schafherde in die blökenden Visagen zu schleudern. Ich hoffe doch, dass ich mit meinem heiligen Zorn nicht ganz allein bin. Na dann:

Exzellente Geister aller Couleur, ich wende mich mit einer Ermahnung, einem Appell, einer Ermunterung zur Tat an Euch!

“Das Genie entzieht sich den Konventionen und sieht die Dinge selbst an.” – Sully Prudhomme.

Zu oft wird die Agilität und Schöpfungskraft des Individuums zurückgebunden von der Trägheit und Langsamkeit seiner Umgebung, von der vernichtenden Gleichgültigkeit der Masse oder gar vom absolutistischen moralischen Diktat der Gesellschaft.
Deshalb ein Aufruf an die Exzentriker, die kreativ Irrsinnigen, die geistigen Scharfschützen und die Grossdenker, den individuellen Kampf aufzunehmen gegen den einlullenden Sog des Gewöhnlichen, des Vertrauten, des sozial sanktionierten Stumpfsinns.

Keine falsche Demut, kein rücksichtsvolles Abschleifen der Geistesschärfe, und vor allem kein Einschränken der eigenen gedanklichen Bewegungsfreiheit im Namen von Harmonie, Kohäsion oder eines falsch verstandenen Drangs nach zwischenmenschlicher Stabilität und Aufgehobenheit.

Entflieht den Klauen der sabbernden Dumpfbacken und lasst Euch nicht einnebeln vom süssen Geruch der Mediokrität, der jene missgünstigen Geschöpfe allenthalben umgibt!

Die Lebensumstände der demokratischen Moderne wollen Eure Leistungsentfaltung einschränken oder gar verstümmeln. Wehret Euch gegen den unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit geführten Kreuzzug der Gleichmacher!

Sprengt die Konventionen, foutiert Euch um anmassende Appelle zur Bescheidenheit, lasst Euren Gedanken freien Lauf: Ein entfesselter Geist ist die wertvollste Waffe gegen die durch eine bevormundende Gesellschaft auferlegte Entfremdung von der inneren Natur. Die mentale Dissidenz ist die Glut, welche die verrosteten Handschellen der Durchschnittlichkeit und geistigen Armut zum Schmelzen bringen wird.

Der vorgefundene Lebensraum, ob warmer, überschaubarer Sumpf und Morast oder die widrigen, einsamen Höhen der Wolken und Berggipfel, hatte im Tierreich die Entstehung sehr unterschiedlicher Lebewesen zur Folge. Für den Mensch gilt die Willkürlichkeit der Evolution nur bedingt: Die Entscheidung für eine Lebensweise – samt dem Mut, diesen Willen umzusetzen – liegt voll und ganz bei Euch.

Dankeschön.

4 Kommentare


Kommentare

jésus noble
Freitag, 25. September 2009, 14:57 Uhr

fabelhaft juanito. gracias. contra segnitiam.

omg
Freitag, 25. September 2009, 19:53 Uhr

exzellent!

Mediokrat Läppli
Samstag, 26. September 2009, 15:15 Uhr

Also sprach Juanito. Zur philosophischen Unterfütterung solcher Postulate sei empfohlen: Peter Sloterdijk – Du musst dein Leben ändern: über Anthropotechnik.

Anon
Sonntag, 27. September 2009, 17:44 Uhr

Hip-Hop Bünzli

Gib Senf

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