VERSTAUBTE PLATTEN IM SCHICKEN ACQUA

Die Liste mit den DJs, die eine Funk/Soul/Jazz/Prog/Kraut Sammlung haben, die einerseits sämtliches im hiphop & d&b gesampletes material beinhaltet und andererseits noch so viel mehr hergibt, dass man bis zum ende der welt neue beats produzieren könnte ist kurz: da wäre natĂĽrlich lenny roberts, der seit beginn der 80er-Jahre die “ultimate breaks & beats” rausbrachte, dj muro aus japan, soulman, dusty kid von den “strictly breaks” und “dusty fingers” serien und kon & amir aus new york, die mit ihrer “on track”-serie ĂĽber die hiphop-szene hinaus bekannt wurden. und genau die beiden legen am donnerstag im acqua auf. livingroom.fm scheint immer wieder fĂĽr ein paar ĂĽberraschungen gut zu sein, denn schliesslich ist das acqua nicht gerade der lieblingstreffpunkt fĂĽr kauzige nerds, die am liebsten in einer brocki wohnen wĂĽrden und sich jede freie minute durch verstaubte plattenkisten graben.

aber wenn ihr zum beispiel das toll findet, oder das, was dj premier draus gemacht hat, solltet ihr am Donnerstag ins acqua gehen.

als “bonus” zum thema hier noch ein etwas älteres interview, das ich vor mindestens 10 Jahren mit dusty kid von der strictly breaks serie gemacht hab:

STRICTLY BREAKS

Wie steht es eigentlich im neuen, digitalen Zeitalter um die Tätigkeiten und Techniken, die HipHop dahin gebracht haben, wo er heute ist? Record Diggin und Sampling haben nicht mehr den gleichen Stellenwert wie vor 10 Jahren – das weiss auch DustyKid, der Mann hinter den „Strictly Breaks“ Compilations. Dennoch denkt er nicht daran, aufzuhören. Genau aus diesem Grund.

Gerade als die AKAIs oder E-MUs zu verstauben drohten, kamen Just Blaze und Kanye West und haben samplebasierten Hiphop (zumindest in doppelter Originalgeschwindigkeit) wieder hitparadentauglich gemacht. Und die Kultur des Record diggins lebt weiter: Leute begeben sich an die entlegensten Orte um die obskursten Melodien und Breaks aufzufinden. Was viele vergessen: Nicht jeder HipHop Produzent ist ein Experte fĂĽr rares Vinyl. Genauso wenig wie jeder Sammler Beats produziert. Aus dieser Tatsache heraus entstand eine Art symbiotische Koexistenz. Die Einen spezialisierten sich auf das Auffinden von Breaks, und sparten damit den Anderen kreativ wertvolle Zeit. Jemand, der dies schon frĂĽh bemerkte, war Lenny Roberts. Ende der 1970er Jahre begann er, die bekanntesten Breaks zu sammeln und brachte sie in Form von Compilations auf den Markt. Heute sind diese als „Ultimate Breaks & Beats“ bekannten Sammlungen ein StĂĽck HipHop Geschichte geworden. Lenny verstarb jedoch und mit ihm auch die Ultimate Serie. Ein damaliger Partner und Freund von Lenny (DustyKid), fĂĽhrte seine Serie unter dem Namen „Strictly Breaks“ weiter. Mittlerweile ist das “Strictly Breaks” Emporium um einige Volumes und Serien reicher geworden, blieb aber dennoch ziemlich umstritten. Viele Produzenten (u.a. DJ Premier) fĂĽhrten sich hinters Licht gefĂĽhrt, als sie plötzlich ihre Namen mit dem Vermerk „sampled by“ auf irgendwelchen Compilations lasen. Wer sind ĂĽberhaupt die Leute hinter diesen Produkten und wie stehen sie zu ihrem Job?

Hast du gut geschlafen, nachdem du DJ Premiers Skit auf “Moment of Truth” gehört hast?

DustyKid: Haha. NatĂĽrlich habe ich gut geschlafen! Schliesslich haben wir nur einige wenige Songs von Primo auf unseren Compilations. Ich denke sein Statement war vor allem gegen die vielen Mixtape DJs gerichtet, die ganze Sets oder sogar Compilations mit seinen Originalen herausbrachten. Primo hat aber schlussendlich einen eigenen, 45minĂĽtigen Mix veröffentlicht (“Primo’s bakery”), auf dem die meisten seiner Originale zu hören sind. Er versuchte wohl, diese Leute mit ihren eigenen Waffen zu schlagen. Leider gibt es immer noch einige Produzenten, die nicht mögen, was wir tun. Komischerweise kaufen genau diese Leute trotzdem unsere Platten! Was ich hingegen nicht verstehe ist, warum jemand einen Song sampeln und damit Millionen verdienen kann, ohne dass der ursprĂĽngliche Interpret auch nur einen einzigen Cent zu sehen bekommt. Irgendwie ist das nicht fair. Und wieso soll es nun plötzlich fĂĽr uns nicht mehr in Ordnung sein, Compilations herauszubringen und die Leute wissen zu lassen, wer was gesampelt hat? Um es auf den Punkt zu bringen: Die Personen, die sich am meisten aufregen, sind diejenigen, welche den Original Interpreten keine Credits geben und keine Samples clearen. Dabei machen wir diese Compilations gar nicht, um irgendwelche Leute in Schwierigkeiten zu bringen, sondern weil wir Original Breaks lieben und unser Wissen weitergeben wollen.

Betrachtet ihr euch also als eine Art “Lenny Roberts” der 90er Jahre?

DustyKid: Nein. Wir sehen uns als Sammler obskurer Musik. Viele Leute vergleichen unsere Compilations mit den Ultimate Breaks and Beats. Aber der Stil der Dusty Fingers oder Strictly Breaks Serie ist völlig anders. Wir planen eine Serie namens “School Yard Breaks”, welche ungefähr den UBBs entspricht. Diese neue Serie wird demnächst auf Doppel-Vinyl erscheinen.

Du hast soeben eure zwei Hauptserien erwähnt, “Strictly Breaks” und “Dusty Fingers”. Kannst du kurz erklären, was diese unterscheidet und wie es dazu gekommen ist?

DustyKid: UrsprĂĽnglich hatten wir nur die “Strictly Breaks” Serie geplant. Aber wir hatten zu viele unterschiedliche Arten von Breaks. Wir machten “Strictly Breaks”, um die Leute wissen zu lassen, wer was gesampelt hat. “Dusty Fingers” wiederum brachten wir mit der Absicht heraus, unbenutzte, sehr seltene und obskure Songs unter die Leute zu bringen. Diese Songs hätten einfach nicht in die “Strictly Breaks” Serie gepasst.

Wie entscheidet ihr, ob ein Song auf die “Dusty Fingers” Serie passt oder nicht?

DustyKid: Wir suchen vor allem nach seltenen, obskuren und harten Drums, Funky Grooves, Drama tracks, Laid Back Funk, Sharp Strings and Funky Basslines. Die Seltenheit ist jedoch meistens ein sehr wichtiger Faktor.

Weiss man eigentlich, wer ihr seid? Es scheint immer noch ein kleines Mysterium zu sein, wer hinter all dem steckt. Warum?

DustyKid: Weil viele der Sammler oder Dealer, von denen wir unsere Platten kaufen, sie uns nicht geben wĂĽrden, wenn sie wĂĽssten, dass wir hinter “Strictly Breaks” stecken. Viele grosse Produzenten kennen uns aber und wissen was wir tun. Einige von ihnen kommen sogar zu uns, und fragen nach neuem Samplematerial. Es ist ein Geben und Nehmen. Als Gegenzug geben sie uns auch Platten, die sie zuvor gesamplet haben.

Kannst du einige deiner Kunden nennen?

DustyKid: Dr. Dre (z.B. Next Episode, Guilty Conscience) oder Jermaine Dupree.

Warum ist es wichtig, dass es Compilations wie “Strictly Breaks” oder “Dusty Fingers” gibt?

DustyKid: Einerseits haben wir eine persönliche Motivation. Ich habe ca.80’000 Platten und mein Partner hat auch etwa 70’000. Und täglich erhalten wir neue! Wir lieben es einfach, Songs herauszufinden, die gesampelt wurden oder auch Neues zu entdecken. Diese Entdeckungen wollen wir dann mit anderen Break-Liebhabern teilen. Andererseits ist es auch ein Ziel fĂĽr uns, Hiphop dahin zurĂĽckzufĂĽhren, wo er herkam und von all diesen scheiss Keyboard Beats ohne Soul wegzukommen. Hip Hop hat seine Seele verloren, als die Leute aufgehört haben zu sampeln.

Ich nehme an, du sprichst von Timbaland oder den Neptunes? Sie gehören demnach nicht zu eurem Kundenkreis?

DustyKid: Timbaland sampelt viel. Aber er weiss, wie er die Samples in seinen Songs versteken kann. Neptunes? Daran bin ich nicht interessiert. Wir bringen nur Classic Stuff heraus. Eine Neptunes Compilation kann und wird es nicht geben. Ausserdem habe ich aufgehört, Hip Hop zu hören. Hip Hop ist für mich 1995 gestorben. Wir arbeiten aber mit jüngeren Leuten zusammen, die uns bezüglich aktuelleren Samples auf dem Laufenden halten.

Wieviele Stunden pro Tag verbringst du eigentlich mit anhören von Musik?

DustyKid: Wir hören ungefähr 18 Stunden pro Tag. Kein Witz. Ich höre sogar in diesem Moment Musik.

Was denn?

DustyKid: Wir haben letzte Woche einen riesen Stapel Library Platten erhalten. Ca. 900 StĂĽck.

Das hört sich an wie ein Full Time Job.

DustyKid: Ist es auch. Eigentlich tun wir nichts anderes, als uns Musik anzuhören.

Gibt es so etwas wie einen “Gral” fĂĽr Plattensammler?

DustyKid: Da gibt es einige. Der grösste ist fĂĽr mich eine mysteriöse Platte, die im Besitz von Biz Markie sein soll: Eine “Mardi Gras” (Bob James) Single ohne Bells im Intro. Wir gehen ihn bald besuchen, dann werde ich mich ĂĽberzeugen, ob sie wirklich existiert. Das einzige Hiphop Sample, das ich unbedingt wissen wollte war Shook Ones Pt.2 (Mobb Deep). Und wie es der Zufall so wollte, weiss ich heute,  was es ist.

Was sind deine Lieblingsproduzenten?

DustyKid: Lord Finesse, Mantronix, Marley Marl.

Lieblings HipHop Song?

DustyKid: Marley Scratch

Hast du noch einige Tipps fĂĽr zukĂĽnftige Diggers?

DustyKid: Nehmt eine Platte, die einen Break enthält, den ihr mögt. Schaut dann, wer den Song produziert hat und welche Musiker ihn spielen und sucht nach Veröffentlichungen von diesen. Oder sucht nach bestimmten Labels. CTi ist ein gutes Label, um anzufangen. Sucht nach Bob James oder Grover Washington. Und fĂĽr die Profis: Kauft die “Dusty Fingers” Compilations und versucht Alben der dort benutzten Interpreten zu finden. Viel GlĂĽck!

14 Kommentare


Kommentare

JMCoolG
Mittwoch, 27. Januar 2010, 15:54 Uhr

Tschööösss…allerdings eine ĂĽberraschung..gleich mal ein rund sms versenden..

_
Mittwoch, 27. Januar 2010, 16:37 Uhr

perlen vor die säue. trotzdem hingehen.

perle
Mittwoch, 27. Januar 2010, 16:56 Uhr

ob sich die sau ahnungslos zu mir betrinkt, oder der pickelige nerd, der den mädchennamen meiner mutter kennt, sein halbsteifes glied wegen mir massiert, ist mir insgesamt eigentlich einerlei.  solang beide dabei freude haben, werde ich meinen glanz gerne verströmen.
aber ich nehme edurchaus auch zur kenntnis, dass es vergebene liebesmĂĽh sein kann, mich einzuladen.
wie auch immer, man soll the day nicht loben, before das evening over ist.

Tube
Donnerstag, 28. Januar 2010, 14:05 Uhr

Hey, vor welche Säue? Die Jungs legen ja nicht nur für die Kravattenträger im Acqua auf, sondern vorallem für die Radiosendung und die wirklichen Perlenkenner, oder?

perle
Donnerstag, 28. Januar 2010, 14:23 Uhr

na also

_
Donnerstag, 28. Januar 2010, 20:27 Uhr

_ 0, Tube 1, perle -1

M uff a lala FF
Freitag, 29. Januar 2010, 10:33 Uhr

@perle: word!

raketenthom
Montag, 1. Februar 2010, 10:52 Uhr

@nvo: cool, mal die aussenperspektive zu lesen.

tomh
Montag, 1. Februar 2010, 11:06 Uhr

haha. so true. wir haben noch mit amir geredet…und was er von der location hält. er fands easy…war ihm wohl auch egal, dass fast niemand wusste, wer sie sind. er meinte, sie wollten es gemĂĽtlich nehmen, da sie am nächsten tag in mĂĽnchen an einem grösseren event spielten. kons set war jedenfalls top – natĂĽrlich spielte er auch bekannte soul/funk/disco klassiker…aber in versionen, die man sonst kaum hört.

luegisland
Montag, 1. Februar 2010, 12:02 Uhr

die heissen edits und die macht er meisten selbst, deswegen kann man sie auch sonst kaum hören…

text
Montag, 1. Februar 2010, 20:39 Uhr

spannender stuff … schade dass-was-wie-wenn! ich wĂĽnsche mir auch mehr vielfalt, brockies und nerds in da city, scheint als seien die fm’ler musikkulinarisch die einzigen, welche doch immer wieder gut fĂĽr eine ĂĽberraschung sind …

dB
Montag, 1. Februar 2010, 20:41 Uhr

Stimmt auch wieder! naja, wohl eher alles neid!

impressed
Montag, 8. Februar 2010, 22:02 Uhr

Gib Senf

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