Abgesang #2

Byebye Satisfactory. Oder: Wie ein Hype klanglos verschwindet. Mit “Das leise Ende einer Zwischennutzung” gibt die Baz wieder Stoff fĂĽr Diskussionen.

Ein weiterer Club verschwindet. Das ist schlecht. Denn das ist das letzte, was wir in dieser Stadt eigentlich brauchen. Jedoch: So toll die Location, so ambivalent meine Haltung zum ganzen Clubbetrieb. Die Brocki-schicke Einrichtung gefiel mir. Auch die intim-lustigen Szenen auf den gemischten und überbesetzten Minimalst-Toiletten. Zwischenmenschlich erfreuliches, von Clubbetreiber zu Clubgänger, gab es aber eher weniger zu berichten.

In den Anfängen hatte man des GefĂĽhl, die Satisfactory benötige kein Publikum (was denn, Stiftung Levedo sei Dank, auch so war). Die Eintritte waren teuer, der Raum leer. Man schien nicht auf das “allgemeine” Publikum angewiesen zu sein, das eben mal nur ein Bier trinken wollte. Ja keine falschen Leute aus unpassenden Szenen anziehen. Gut: Ein kurzer Schwatz mit dem TĂĽrsteher (der diese Politik auch nicht toll fand) half meistens und man konnte in den netten, aber halbleeren Räumen ein Bier geniessen.

Aber das Unvermeidbare geschah trotzdem: Anfänglich fast unbekannt zog die Satisfactory immer mehr Leute an, die offensichtlich nicht ganz ins Bild passen wollten, denn immer öfter hörte man die oder den sagen: “In letzter Zeit hats hier komisches Volk”. Ich selbst kann das nur bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Wandelt sich das Publikum nicht in allen Clubs mit der Zeit und deren Bekanntheit? Sind solche Feststellungen schlussendlich nicht nur Projektionen unseres eigenen Ă„lterwerdens? Im Nachleben-hypersensiblen Basel werden solche Floskeln jedenfalls relativ schnell in den Raum geworfen. Und an jedem neuen Ort, der die Erwartungen des enorm anspruchsvollen Basler Alternativ-Clubgängers nicht erfĂĽllen kann, gibt es schon sehr bald etwas auszusetzen. Man mag den Club vermissen oder nicht: Die Satisfactory wird jedenfalls zum weiteren Lehrbeispiel fĂĽr das Basler Nachtleben. Wie schaffe ich es, an einem sehr zentralen Ort, in einer sehr tollen Räumlichkeit und hoher finanzieller Absicherung eine Bar/einen Club zu eröffnen, der nur wenig Leute anzieht?

Ein Argument für den Nicht-Erfolg des Ortes, das in der Baz erwähnt wird: Die Betreiber waren zu Zürich-orientiert. So schreibt Mensch im heutigen Artikel (dieser Teil ist leider nur in der Print-Ausgabe, clever). Ehrlich gesagt: Ob Clubbetreiber lieber ihre alten ZH-Connections nutzen anstatt sich mit der lokalen Basler Szene vertraut zu machen (was sicher auch geschehen ist, meines Wissens spielten jede Woche mehrere Basler DJs etc in der Satisfactory) ist doch schlussendlich egal, oder? Oder vielleicht sogar noch besser? Denn wenn es hier etwas brauchen kann, ist es neuer Wind von Osten, Süden, Norden oder Westen. Aber es zeigt, was eigentlich bekannt ist: Was man kennt, schätzt man. Neues hat es schwer am Rheinknie.

Vielleicht hat ja da eine etwas ältere Instution mehr Erfolg. In den Räumlichkeiten entsteht, wie schon länger bekannt ist, die neue Jazzschule Basel. Mit Jazzclub und Jazz-Aufnahmestudio. Ein kleines Paradoxon, denn die Schule befindet sich momentan auf dem Dreispitz-Areal, DEM Kulturzentrum der Zukunft, wie man uns immer wieder einhämmert. Offensichtlich ist für eine Jazzschule im neuen Kunst- und Musik-Quartier kein Platz? Oder die Jazzschule zählt sich nicht zum Kunst oder Kulturbetrieb? Ich weiss es nicht. Wir sagen jedenfalls: Bye bye Satisfactory. Bye bye open broadcast. Mögt ihr in Zürich mehr Erfolg haben.

20 Kommentare


Kommentare

ra
Montag, 11. Oktober 2010, 14:02 Uhr

Satisfactory hatte keine UnterstĂĽtzung der genannten Stiftung, das betraf nur Open Broadcast. Sie waren eingemietet. Sie hatten auch Probleme mit Nachbarn und nur Bewilligung bis 2 Uhr, also zwei altbekannte Basler Lieblingsprobleme.
Nicht, dass ich damit sagen will, die Betreiber seien unschuldig am Gefühl der verpassten Chance, das das Ding hinterlässt.

total greatness
Montag, 11. Oktober 2010, 14:05 Uhr

@ra, ok Fehler behoben. Kann man denn open broad/satisfactory finanziell vollständig trennnen? Diese Antwort fand ich nirgends…

danke
Montag, 11. Oktober 2010, 14:37 Uhr

fĂĽr diesen beitrag!
 
ich persönlich finde jedoch, dass die ideenlosigkeit und teilweise ignoranz der clubbetreiber (möge diese auch aus überarbeitung, überlastung herrühren) für den besucherschwund verantwortlich ist. scheinbar hatte auch eine sammelklage (bezüglich der zonenplanerischen betreibsbewilligungsauflagen) von den umliegenden verpflegungs und nachtlokalbesitzern der satisfactory zugesetzt.
 

bol
Montag, 11. Oktober 2010, 15:08 Uhr

ignoranz habe ich nie festgestellt, wenn ich mit den betreibern zusammengearbeitet hab. um zu einem booking zu kommen, hat eine e-mail gereicht. was das verhalten des personals im verlauf eines abends anbelangt, gebe ich dir teilweise recht. man hatte oft das gefĂĽhl unerwĂĽnscht zu sein oder eben nicht genĂĽgend alternativ/cool/fancy etc. besonders zu späterer stunde wurde man oft ungehalten, frech und respektlos. klar, der umgang mit einer alkoholisierten kundschaft ist immer schwierig, aber dass sollte man als clubbetreiber einfach schaffen…

Quark
Montag, 11. Oktober 2010, 15:15 Uhr

Sie haben praktisch nie Werbung gemacht, kein Wunder, dass das nicht klappt.

total greatness
Montag, 11. Oktober 2010, 15:23 Uhr

ich muss noch erwähnen: ich war einige male da, wo es richtig voll war in der satisfactory. versuche gerade einen gemeinsamen nenner besagter events zu eruieren, umso eine formel fĂĽr mehr clubpublikum in basel abzuleiten. leider unmöglich. das einte mal brachten wohl die djs extrem viel leute mit. das andere mal hatte die party einen höheren “exklusivitätsstatus”, was in basel auch immer gut funktioniert (siehe art party, coming home etc.). und last but not least: 2-3 anlässe im keller unten dran waren auch sehr gut besucht und hatten im gegensatz zu den parties oben auch einen gewissen grad an ausgelassenheit, wie man es in einem club erwartet.

kurz & bĂĽndig
Montag, 11. Oktober 2010, 15:39 Uhr

die veranstalter haben es einfach nicht fertiggebracht ein eigenes und kluges programm zu machen. internationale namen, die den laden interessant hätten machen können, fehlten oft. und wenn, dann eher gähn acts oder solche die von extern zugeschanzt wurden. das man lediglich ein mail schreiben musste um ein booking klar zu machen, kann man ja auch nicht unbedingt als qualitätsmerkmal eines clubs werten. wie schon erwähnt wurde, fehlte ihnen da auf jeden fall der überblick in der basler szene. zudem waren sie wohl ziemlich ausgelastet mit eigenen projekten etc.. der club war aber grundsätzlich ganz cool. deko, barsortiment, preise. etc..

dort aber eine jazzcampus zu machen finde ich extrem falsch. so ein ort müsste weiter als bar/club/kulturort genutzt werden. es gibt zu wenig solcher treffpunkte (oder keine?) die zentral gelegen sind . ein jazzcampus kann man wohl auch in einem bürogebäude machen. oder eben dort wo er jetzt sowieso schon ist. noch besser: in der aktienmühle!

den club satisfactory werde ich nicht vermissen. die location aber schon. sehr schade, dass die chance verpasst wird, dort schweizweit etwas wirklich spezielles zu etablieren.

bol
Montag, 11. Oktober 2010, 15:44 Uhr

“das man lediglich ein mail schreiben musste um ein booking klar zu machen, kann man ja auch nicht unbedingt als qualitätsmerkmal eines clubs werten”

Ich habe auch nicht behauptet, dass dies ein Qualitätsmerkmal sei. READ!

danke2
Montag, 11. Oktober 2010, 16:13 Uhr

sie haben sich weder mit der stadt noch mit der region befasst, geschweige den sich dafĂĽr ĂĽberhaupt interessiert. das desinteresse war schon fast greifbar. beispiel: der clubbetreiber hatte nicht einmal die telefonnummer der veranstalter gespeichert.
die kontakte, welche sie benutzen, war eine beliebige liste von dj’s welche scheinbar alphabetisch begann.
sie hatten auch keine, wie schon erwähnt, werbung betrieben. weil sie dies nicht wollten. am anfang war es scheibar auch die idee, dass im club ausschliesslich zürcher bzw bekannte aus ihrem zürcher-netzwerk spielen sollten.
in zĂĽrich hingegen sprachen viele (auch interessierte szenegänger) davon “gilgen” hätte in basel einen neuen club, welchen er betreibt. thomas gilgen war bekanntlich massgeblich am erfolg der dachkantine beteiligt.
der keller wurde nicht von der satisfactory betreiben und war ihnen ein dorn im auge.
persönlich jedoch muss ich sagen, dass die clubleitung immer freundlich und verständnisvoll kommuniziert hat, wenn auch nicht ganz offen und ehrlich. auch das personal fand ich ganz passabel, vorallem die türe.
gästeliste war auch nie ein thema, als dj und veranstalter, ist man sich da z.t. anderes gewohnt.
die einrichtung fand ich ganz nett, die getränke auch.

david schmied
Montag, 11. Oktober 2010, 17:36 Uhr

Verschlafen? Sabotiert! es kursieren sicher ein Dutzend Geschichten, wie die Satis-Macher scheinbar völlig willkĂĽrlich geplante Partys absagten, exzellente Acts zu Toppreisen ablehnten (“passt nicht ins konzept”, “zu kommerziell”, “zieht zu junges publikum an”), damit viele motivierte Veranstalter (Newcomer wie alte Hasen) vergraulten bzw. mit  ewigen Hin und Her hinhielten….typische ZĂĽrcher halt!

Thomas Gilgen
Montag, 11. Oktober 2010, 18:50 Uhr

 
Wer nicht kann, wie er will, muss wollen wie er kann.  Satisfactory ist und bleibt eine schöne Idee. Wir wollten die BĂĽhne des Clubs mit dem Studio vom Radio kreuzen. Leider fehlte uns allen die Kraft. Jeder kämpte erst mal mit sich selbst. Und man liebt und lebt und säuft in der Stadt in der man arbeitet. Nur so entsteht ein “Groove”. – Na ja, alle sind gescheit, die Einen vorher und die Anderen nachher. Schade dass es nicht geklappt hat. Basel hat gute Leute.

See you in ZĂĽri: We research, we take risk, we make mistakes, we like busted knees, we solve problems, we are happy, we ‘ll never retire. 

T.

real ninja
Montag, 11. Oktober 2010, 20:04 Uhr

dini wösch bringsch zu dim mami

dereisbaer
Montag, 11. Oktober 2010, 20:34 Uhr

Gibt schlimmeres…

Zum Beispiel der neue Film “Basel Lebt” aus dem Präsidialdepartement…

Zur Satisfactory: Erstmal Danke an Gilgen, dass er ĂĽberhaupt ein solches Experiment in Basel gewagt hat. Schade das es – warum auch immer – nicht funktioniert hat. Es gibt ja anscheinend noch Platz neben der Jazzschule. Also nicht klagen sondern gleich mal erkundigen, was möglich ist….

Selbst kann ich das nicht, da ich von Musik nicht viel Ahnung habe,…

starttomelt
Montag, 11. Oktober 2010, 21:38 Uhr

Basels Provinzhipster hat es halt schnell in den Hinterhof weitergezogen. Who’s next?

Tja...
Dienstag, 12. Oktober 2010, 13:03 Uhr

Basel ist nicht ZĂĽrich und das ist gut so! Mit was fĂĽr einer fragwĂĽrdigen Sound-Anlage wurde da die Basler Szenies beschallt? Was fĂĽr ein TĂĽrsteher als Empfang hingestellt? Was fĂĽr ein Bar-Service geboten? Was fĂĽr Eintrittspreise (fĂĽr einen “besseren” Barbetrieb) erhoben? Was fĂĽr Musiker durften da spielen?
Und genau diese ZĂĽrcher Arroganz funktionierte schlussendlich hier in Basel nicht.
 

pedro
Dienstag, 12. Oktober 2010, 23:57 Uhr

die basler club-szene war vor ca 10 jahren einmal attraktiv, leider weilt die stadt aber schon ziemlich lange in einem tiefschlaf, was clubs angeht…
da zieht mal lieber weiter in die näxten grossstädte, und wartet halt, bis die kritische “alternativ”-Szene wieder einmal ein bischen tolleranter wird..
 

bol
Mittwoch, 13. Oktober 2010, 9:01 Uhr

weisst du, was das problem daran ist , pedro? auch vor zehn jahren haben mir die leute gesagt, dass das nachtleben in basel vor zehn jahren besser war. evtl. muss man sich einfach mal damit abfinden, dass basel kein nachtleben hat.

Martin
Mittwoch, 13. Oktober 2010, 9:54 Uhr

@ pedro & bol: Bitte? Entweder seit ihr vom Land oder Zuzügler! Wenn ihr euch mal nüchtern mit dem Nachtleben hier in Basel auseinander setzen würdet, seht ihr dass soviel läuft wie seit 20 Jahren nicht mehr! Aber dafür seit ihr wohl einfach zu jung und abgehoben mit euerer Vorstellung was das Nachtleben angeht. Bleibt doch Zuhause bei euerer Katze und spielt Playmobil.

bol
Mittwoch, 13. Oktober 2010, 10:43 Uhr

ganz richtig. wir kamen mit dem zug wie die meisten zuzĂĽgler.

ra 2
Mittwoch, 13. Oktober 2010, 13:51 Uhr

@ total greatness: Die Satisfactory war ein eigenständiger Verein: http://www.moneyhouse.ch/u/the_satisfactory_CH-270.6.000.621-8.htm

Gib Senf

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